Computersystemvalidierung in der Pharmaindustrie: GAMP 5, Annex 11 & ERP

Wir funktioniert Computersystemvalidierung in der Pharmaindustrie?

Steigender Kostendruck und stetige technologische Innovation – für die Pharmaindustrie wird es immer herausfordernder, Compliance auf wirtschaftlich tragfähige Weise sicherzustellen. Eine Schlüsselrolle übernimmt die Validierung relevanter und kritischer digitaler Systeme. 

Was steht hinter der Computersystemvalidierung (CSV)? Welche Regularien und Methoden sollten Verantwortliche kennen? Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Aspekte einer sicheren CSV.

Was ist Computer System Validierung?

Die Computer System Validierung (auch: Computersystemvalidierung) ist ein strukturiertes Verfahren, das sicherstellt, dass ein IT-System aus Hardware und Software zuverlässig, regelkonform und konsistent zu dem Ergebnis kommt, für das es eingerichtet wurde. Und das auf eine lückenlos nachvollziehbare und dokumentierte Weise. Korrekt umgesetzt, stellt es die Patientensicherheit, Datenintegrität und Produktqualität sicher und trägt einen elementaren Teil zur Compliance des Unternehmens bei. 

Computersystemvalidierung ist in den GxP-kritischen Prozessen wie Produktion, Qualitätssicherung Lagerung relevant. In der Pharmaindustrie ist die CSV von besonderer Bedeutung, da immer mehr Prozessschritte in der Organisation computergestützt ablaufen und die erzeugten Pharmaprodukte eine direkte Auswirkung auf die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen haben.  

Die Validierung kann traditionell papierbasiert oder digitalgestützt erfolgen. In vielen Betrieben werden Prüfungen noch in hybrider Form ausgeführt.

Ein ERP-System wie die GUS-OS Suite bildet als GxP-kritisches System selbst einen zentralen CSV-Validierungsgegenstand ab – und unterstützt gleichzeitig die Dokumentation und Steuerung aller weiteren validierten Systeme im Unternehmen.

Die GUS-OS Suite deckt im Standard einen großen Teil der pharmaspezifischen Compliance-Anforderungen ab und berücksichtigt dabei alle wichtigen Regelwerke. 

Was kann die GUS OS-Suite? 

Die wichtigsten regulatorischen Standards

GAMP 5

Die Good Automated Manufacturing Practice (GAMP 5) ist ein international anerkanntes Rahmenwerk für die Validierung computergestützter Systeme. Entwickelt von der International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE) und dem Good Automated Manufacturing Practice Forum (GAMP), hat es sich zum Standardregelwerk für CSV in der Pharmaindustrie entwickelt. 
Das Regelwerk vertritt einen risikobasierten Ansatz, bei dem IT-Systeme je nach Kritikalität klassifiziert werden. Zentrales Element der Implementierung eines computergestützten Systems ist das V-Modell, das Teil des Lebenszyklus eines Systems ist. Es stellt die dokumentierte Implementierung gemäß der Spezifikation sicher und leitet durch den Prozess, bis er mit dem Validierungsbericht abgeschlossen ist.

GAMP 5 – Was bedeutet das für Ihr ERP?
Die GUS-OS Suite ist nach GAMP-5-Kategorien klassifizierbar. Als konfiguriertes Standardsoftwareprodukt (Kategorie 4/5) folgt die Validierung einem risikobasierten Ansatz – mit klar definierten Testprotokollen und Validierungsdokumentation, die GUS ERP aus Pharma-Projekten mitbringt.

FDA 21 CFR, Part 11 

Ein weiterer wichtiger Standard wurde von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) veröffentlicht. 21 CFR, Part 11 reglementiert den Einsatz elektronischer Aufzeichnungen und Signaturen. Die Norm legt fest, unter welchen Bedingungen digitale Dokumente als gleichwertig zu papierbasierten Nachweisen anerkannt werden. 
Für Pharmaunternehmen ist die 21 CFR, Part 11 vor allem bei der Konzeption von Audit Trails, der Einrichtung von Zugriffskontrollen und der Authentifizierung von Benutzern relevant.

FDA 21 CFR Part 11 – Was bedeutet das für Ihr ERP?
Für Pharmaunternehmen mit US-Zulassung oder FDA-Audits ist 21 CFR Part 11 bindend. Die GUS-OS Suite unterstützt die Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen und Signaturen: Audit Trails sind unveränderlich, Zugriffskontrollen granular konfigurierbar, Systemzugang vollständig protokolliert.

EU-GMP-Leitfaden, Annex 11  

In der Europäischen Union gilt für die Qualitätssicherung in der Pharmaindustrie der Good-Manufacturing-Practice-Leitfaden (GMP), der von der European Medicines Agency veröffentlicht wird. Im Annex 11 sind explizit Anforderungen an die Validierung von IT-Systemen in der pharmazeutischen Produktion definiert.
Dabei wird unter anderem ein Risikomanagement für sämtliche Phasen des Lebenszyklus eines computergestützten Systems gefordert und werden Anforderungen an die Zusammenarbeit mit Dienstleitern und Lieferanten und die periodische Prüfung der Validierung definiert.

EU-GMP Annex 11 – Was bedeutet das für Ihr ERP?
Annex 11 fordert lückenlose Audit Trails, Zugriffsrechte-Management und die Integrität elektronischer Daten. Die GUS-OS Suite protokolliert alle Prozessänderungen automatisch, verwaltet Benutzerrechte granular und erfüllt die Anforderungen an elektronische Signaturen nach Annex 11.

Die 3 Phasen der Qualifizierung

Da die CSV sowohl die Validierung von Hardware als auch Software und Schnittstellen umfasst, lassen sich drei Phasen der Validierung unterscheiden. Diese werden unter anderem von der GMP-Richtlinie genannt.  

Im Idealfall unterstützt der Hersteller der Software die anwendenden Unternehmen bei der initialen Validierung der Software oder/und bietet Schulungen an, die interne Mitarbeiter befähigen, die periodische Re-Validierung sicher auszuführen.

Installationsqualifizierung (Installation Qualification, IQ)

  • Überprüfen Sie, ob das System gemäß den Spezifikationen korrekt installiert wurde. 
  • Dokumentieren Sie Hardware-, Software- und Netzwerkkonfigurationen. 
  • Prüfen Sie die Systemumgebung, zum Beispiel Stromversorgung, Zugriffsrechte, Backup-Strategien. 

Funktionsqualifizierung (Operational Qualification, OQ)

  • Testen Sie, ob das System im Betrieb die definierten Funktionen gemäß Ihren Benutzeranforderungen erfüllt. 
  • Führen Sie Funktionsprüfungen, Fehleranalysen und Sicherheitschecks aus. 
  • Simulieren Sie Testszenarien, um Systemreaktionen unter verschiedenen Bedingungen zu prüfen. 

Leistungsqualifizierung (Performance Qualification, PQ)

  • Monitoren Sie die Funktion im laufenden Betrieb, um sicherzustellen, dass das System stabil, performant und gemäß Ihren Anforderungen funktioniert. 
  • Führen Sie Tests mit realen Anwendungsfällen und unter realen Produktionsbedingungen durch. 

Was bedeutet IQ/OQ/PQ für ERP-Systeme?

Die drei Qualifizierungsphasen gelten nicht nur für Produktionsanlagen – sie sind auch für ERP-Systeme in GxP-regulierten Umgebungen verpflichtend:

  • Installationsqualifizierung (IQ): Nachweis, dass das ERP-System korrekt installiert und konfiguriert wurde. Systemdokumenta-tion, Infrastrukturprüfung, Softwareversionsnachweis.
  • Operationsqualifizierung (OQ): Nachweis, dass das ERP-System unter definierten Bedingungen korrekt funktioniert. Testprotokolle für alle GxP-relevanten Prozesse – Chargenverwaltung, Audit Trail, Zugriffsrechte.
  • Performancequalifizierung (PQ): Nachweis, dass das ERP-System unter realen Produktionsbedingungen zuverlässig und reproduzierbar arbeitet. Typischerweise mit echten Produktionsdaten über einen definierten Zeitraum.

Die GUS-OS Suite wird mit praxiserprobten IQ/OQ/PQ-Protokollen aus Pharma-Projekten geliefert. Das reduziert den Validierungsaufwand erheblich und beschleunigt die Zulassungsreife des Systems.

Risikobasierter Ansatz für die Validierung von Computersystemen 

Der risikobasierte Ansatz ist ein zentrales Prinzip der Computersystemvalidierung – verankert in GAMP 5 und gefordert durch EU Annex 11. Nicht jedes System erfordert denselben Validierungsaufwand. Entscheidend ist die Kritikalität des Systems hinsichtlich:

  • Anwendersicherheit – schützt das System Patienten oder Anwender?
  • Produktqualität – beeinflusst es GMP-relevante Prozesse?
  • Datenintegrität – werden regulatorisch relevante Daten erzeugt oder verarbeitet?
 

Zur systematischen Risikobewertung hat sich die FMEA-Methode (Failure Mode and Effects Analysis) in der Pharmaindustrie etabliert. GUS ERP unterstützt Sie dabei, Systemkritikalitäten zu bewerten und Validierungsumfänge regulatorisch korrekt zu dokumentieren.

Wie die GUS-OS Suite Ihre Computersystemvalidierung unterstützt

Die GUS-OS Suite ist kein generisches ERP-System, das nachträglich für GxP-Umgebungen angepasst wurde. Sie wurde von Grund auf für die Anforderungen der Prozessindustrie – Pharma, Chemie, Medizintechnik – entwickelt und bringt Validierungskompetenz aus realen Pharma-Projekten mit. Das bedeutet für Ihre CSV konkret:

  • Audit Trail nativ: Alle Prozessänderungen im System werden automatisch, unveränderlich und mit Zeitstempel protokolliert – konform zu Annex 11 und 21 CFR Part 11. Kein externes Logging-Tool nötig.
  • Zugriffsrechte-Management: Benutzerrollen und Zugriffsrechte sind granular konfigurierbar. Jeder Systemzugang ist dokumentiert, jede Aktion einem Benutzer zugeordnet – Grundvoraussetzung für elektronische Signaturen nach 21 CFR Part 11.
  • Validierungsdokumentation: GUS ERP liefert praxiserprobte Validierungspläne, IQ/OQ/PQ-Protokolle und Systemdokumentation aus Pharma-Projekten. Das reduziert den internen Validierungsaufwand und beschleunigt die Audit-Vorbereitung.
  • Lieferantenqualifizierung: Die GUS-OS Suite unterstützt die Qualifizierung von Lieferanten und Dienstleistern als Teil des CSV-Prozesses – inklusive Audit-Trail für Lieferantenbewertungen und -freigaben.
  • GAMP-5-Klassifizierung: Die GUS-OS Suite ist als konfiguriertes Standardsoftwareprodukt nach GAMP 5 klassifizierbar. Der risikobasierte Validierungsansatz ist dokumentiert und auditierbar.
 

GUS ERP hat Validierungsprojekte in regulierten Pharmaumgebungen erfolgreich abgeschlossen – inklusive Lieferantenaudits durch Kunden und Behörden.

Was sind aktuelle Best Practices in der Computer System Validierung?

Wie Computersysteme validiert werden können, entwickelt sich stetig weiter. Nur so können Unternehmen den steigenden Anforderungen an Datenintegrität, Compliance und Effizienz gerecht werden.  

  • Unternehmen setzen zunehmend auf zentrale, digitale Dokumentenmanagement-Systeme, um die Validierungshistorie transparent und revisionssicher belegen zu können. 
  • Statt periodischer Validierung etabliert sich das Model der Continuous Validation, um die Sicherheit der Produktion zu verbessern.  
  • Projekterfahrungen werden systematischer zur Optimierung von Validierungsprozessen genutzt (Lessons Learned).
 

Ein ERP-System bildet als zentrales Datensystem die Grundlage für Continuous Validation: Wenn Prozessänderungen, Systemupdates und Konfigurationsanpassungen im ERP dokumentiert und versioniert werden, entsteht automatisch die Datenbasis für eine kontinuierliche Validierungsstrategie – ohne zusätzlichen manuellen Aufwand.

Fazit: Digitalisierung eine CSV spielt eine Schlüsselrolle in der Zukunft der Pharmaindustrie

Die Computersystemvalidierung ist ein zentraler Baustein für die Compliance, Datenintegrität und Effizienz in der pharmazeutischen Herstellung. Die regulatorischen Anforderungen an die digitalen Systeme in Unternehmen steigen seit Jahren, genauso wie die Komplexität der IT-Infrastrukturen. Compliance droht nicht nur zum kritischen Faktor zu werden, der die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Unternehmen schwächt, sondern auch die pharmazeutische Produktion selbst behindert und die medizinische Versorgung gefährdet.  

Unternehmen reagieren und setzen auf risikobasierte Prüfansätze, kontinuierliche Validierung und eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, um Kosten und Compliance in Balance zu bringen. Eine Schlüsselrolle spielen digitale Lösungen, die – geschickt eingesetzt – die Effizienz und Transparenz von Validierungsprozessen nachhaltig verbessern können.

GUS-OS Suite: Validierbar, GxP-konform, Pharma-erprobt

Die GUS-OS Suite unterstützt Pharmaunternehmen bei der Computersystemvalidierung – von der Systemdokumentation über IQ/OQ/PQ-Protokolle bis zum lückenlosen Audit Trail. Als qualifiziertes ERP-System mit nachgewiesener Validierungskompetenz aus realen Pharma-Projekten ist die GUS-OS Suite die Grundlage für eine effiziente, auditfähige CSV-Strategie.

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