Wie testet man eine ERP Integration in der Pharmaindustrie?

Pharmazeutischer Labortechniker im weißen Kittel prüft Testprotokolle neben Laptop mit Datendashboard und Glasfläschchen im Labor.

Das Testen einer ERP-Integration in der Pharmaindustrie folgt einem strukturierten Prozess aus mehreren Testphasen, der zwingend die regulatorischen Anforderungen wie GxP, 21 CFR Part 11 und EU GMP Annex 11 berücksichtigt. Anders als in nicht regulierten Branchen reicht funktionales Testen allein nicht aus: Jede Systemintegration muss formal validiert und lückenlos dokumentiert werden. Die folgenden Fragen beleuchten die wichtigsten Aspekte, die IT-Verantwortliche und Qualitätsmanager bei der Planung und Durchführung kennen sollten.

Welche Testarten sind bei einer ERP-Integration in der Pharmaindustrie erforderlich?

Bei einer ERP-Integration in der Pharmaindustrie sind mindestens vier Testarten erforderlich: Unit-Tests, Integrationstests, System- und Regressionstests sowie User Acceptance Tests (UAT). Hinzu kommen Performance-Tests und, je nach Systemkonfiguration, Sicherheitstests. Alle Testarten müssen im Rahmen der Validierung formal geplant, durchgeführt und dokumentiert werden.

Im Einzelnen decken die Testarten folgende Bereiche ab:

  • Unit-Tests: Prüfen einzelne Funktionen oder Module isoliert, bevor sie in den Gesamtprozess integriert werden.
  • Integrationstests: Stellen sicher, dass Schnittstellen zwischen dem ERP-System und angebundenen Systemen, zum Beispiel LIMS, MES oder Qualitätsmanagementsystemen, korrekt und vollständig funktionieren.
  • Systemtests: Testen das Gesamtsystem unter realen Bedingungen und prüfen End-to-End-Prozesse wie Chargenfreigabe oder Lieferkettenprozesse.
  • Regressionstests: Stellen nach jeder Änderung oder jedem Update sicher, dass bestehende Funktionen weiterhin korrekt arbeiten.
  • User Acceptance Tests (UAT): Werden von den tatsächlichen Anwendern durchgeführt und bestätigen, dass das System die Anforderungen aus dem Fachbereich erfüllt.
  • Performance-Tests: Prüfen Systemstabilität und Antwortzeiten unter Last, was in der Pharmaproduktion bei zeitkritischen Prozessen besonders relevant ist.

Gerade bei der ERP-Integration in der Pharmaindustrie sollte kein Test ad hoc durchgeführt werden. Jede Testart braucht ein definiertes Testskript, erwartete Ergebnisse und eine formale Abnahme.

Was versteht man unter Validierung im Kontext einer ERP-Integration?

Validierung im Kontext einer ERP-Integration bedeutet den dokumentierten Nachweis, dass ein System konsistent und reproduzierbar die vordefinierten Spezifikationen erfüllt. In der Pharmaindustrie ist die Validierung keine optionale Qualitätsmaßnahme, sondern eine regulatorische Pflicht, die sich aus GxP-Anforderungen, EU GMP Annex 11 und, bei US-Marktrelevanz, aus 21 CFR Part 11 ergibt.

Die Validierung folgt in der Regel einem dreistufigen Modell:

  1. Installationsqualifizierung (IQ): Bestätigt, dass das System korrekt installiert und konfiguriert wurde, einschließlich Hardware, Betriebssystem und Datenbankkomponenten.
  2. Operationsqualifizierung (OQ): Prüft, ob das System unter definierten Betriebsbedingungen korrekt funktioniert, also ob alle Funktionen wie spezifiziert arbeiten.
  3. Leistungsqualifizierung (PQ): Weist nach, dass das System unter realen Produktionsbedingungen dauerhaft zuverlässig arbeitet.

Wichtig: Die Validierung beginnt nicht nach der Implementierung, sondern schon bei der Anforderungserhebung. Der sogenannte Validierungsplan legt fest, was zu validieren ist, welche Methoden angewendet werden und wer verantwortlich ist. Die ERP-Validierung im Qualitätsmanagement ist damit ein Prozess, der das gesamte Projekt begleitet, nicht nur eine abschließende Prüfphase.

Wie wird ein Testplan für eine ERP-Integration in regulierten Branchen erstellt?

Ein Testplan für eine ERP-Integration in regulierten Branchen wird auf Basis der Anforderungsspezifikation erstellt und definiert Testziele, Testumfang, Testmethoden, Verantwortlichkeiten, Zeitplan und Abnahmekriterien. Er muss vor Beginn der Tests formal freigegeben werden, in der Regel durch QA, IT und den Fachbereich gemeinsam. Einen Überblick über die branchenspezifischen Anforderungen an ERP-Systeme kann dabei helfen, den Testplan von Anfang an passgenau auszurichten.

Ein vollständiger Testplan enthält mindestens folgende Bestandteile:

  • Referenz auf das Validierungskonzept und die Anforderungsdokumentation (User Requirements Specification, URS)
  • Definition der Testumgebung, getrennt von Produktiv- und Entwicklungssystemen
  • Auflistung aller zu testenden Szenarien mit klaren Testskripten und erwarteten Ergebnissen
  • Festlegung, welche Abweichungen als kritisch, schwerwiegend oder gering eingestuft werden
  • Prozess für das Management von Abweichungen und deren Dokumentation
  • Freigabeprozess für einzelne Testphasen und den Abschlussbericht

Für die ERP-Implementierung in Pharma-Unternehmen empfiehlt sich zudem ein risikobasierter Ansatz: Nicht jede Funktion muss gleich intensiv getestet werden. Prozesse mit direktem Einfluss auf Produktsicherheit, Chargenintegrität oder regulatorische Meldepflichten erhalten dabei eine höhere Testpriorität.

Welche Fehler treten bei ERP-Integrationstests in der Pharmaindustrie am häufigsten auf?

Die häufigsten Fehler bei ERP-Integrationstests in der Pharmaindustrie sind unvollständige Testdaten, fehlende Schnittstellendefinitionen, unzureichende Testumgebungen und eine zu späte Einbindung des Qualitätsmanagements. Diese Fehler führen nicht nur zu Projektverzögerungen, sondern können auch die Validierbarkeit des Systems gefährden.

Im Detail zeigen sich folgende Problemmuster besonders häufig:

  • Testdaten entsprechen nicht der Produktionsrealität: Wenn Testdaten zu simpel oder unvollständig sind, werden Fehler in der Datenverarbeitung erst im Livebetrieb sichtbar.
  • Schnittstellen zu Drittsystemen werden zu spät getestet: Besonders die Anbindung an LIMS, Serialisierungssysteme oder Behördenportale erfordert frühe und wiederholte Integrationstests.
  • Fehlende Trennung von Test- und Produktivumgebung: Tests in der Produktivumgebung gefährden die Datenintegrität und sind in regulierten Branchen nicht zulässig.
  • Unklare Abnahmekriterien: Wenn nicht vorab definiert ist, was als „bestanden“ gilt, entstehen Interpretationsspielräume, die die Validierung verzögern.
  • QA wird erst am Ende eingebunden: Das Qualitätsmanagement sollte von Beginn an Teil des Testteams sein, nicht erst bei der Abnahme.

Wer diese Fallstricke kennt, kann sie durch klare Prozessdefinition und frühzeitige Abstimmung zwischen IT, QA und Fachbereichen vermeiden. Welche ERP-Lösungen dabei die notwendige funktionale Tiefe und Validierungsunterstützung mitbringen, lohnt sich bereits in der Planungsphase zu prüfen.

Wann sollte mit dem Testen einer ERP-Integration begonnen werden?

Mit dem Testen einer ERP-Integration sollte so früh wie möglich begonnen werden, idealerweise parallel zur Systemkonfiguration. In regulierten Branchen gilt das Prinzip „Quality by Design“: Tests werden nicht ans Ende des Projekts verschoben, sondern sind integraler Bestandteil jeder Projektphase.

In der Praxis bedeutet das:

  • Bereits in der Konzeptionsphase werden Testanforderungen aus der URS abgeleitet.
  • Unit-Tests beginnen, sobald einzelne Module konfiguriert sind.
  • Integrationstests starten, sobald zwei oder mehr Systemkomponenten miteinander verbunden werden.
  • UAT findet in einer stabilen Testumgebung statt, die der Produktivumgebung möglichst nahekommt.

Ein häufiger Fehler ist, Tests auf die letzten Projektwochen zu komprimieren. Das erzeugt Zeitdruck, erhöht das Fehlerrisiko und gefährdet die GxP-konforme Dokumentation. Wer das ERP-System frühzeitig und iterativ testet, reduziert den Aufwand für Nachbesserungen erheblich und hält den Validierungsprozess schlank.

Wie wird die Dokumentation von ERP-Integrationstests GxP-konform gestaltet?

Eine GxP-konforme Dokumentation von ERP-Integrationstests erfordert, dass alle Testaktivitäten lückenlos, zeitnah und nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Das bedeutet: Testprotokolle müssen zeigen, wer was wann getestet hat, welches Ergebnis erzielt wurde und wie mit Abweichungen umgegangen wurde.

Folgende Anforderungen gelten für die GxP-konforme Testdokumentation:

  • Zeitnahe Erfassung: Testergebnisse werden unmittelbar nach der Durchführung dokumentiert, nicht im Nachhinein rekonstruiert.
  • Vier-Augen-Prinzip: Testprotokolle werden vom Tester und einer zweiten Person, in der Regel aus dem QA-Bereich, gegengezeichnet.
  • Abweichungsmanagement: Jede Abweichung vom erwarteten Testergebnis wird als Deviation erfasst, bewertet und mit einem Maßnahmenplan versehen.
  • Audit Trail: Das ERP-System selbst muss einen vollständigen Audit Trail führen, der Änderungen an Daten und Konfigurationen nachvollziehbar macht.
  • Elektronische Signaturen: Wenn Testprotokolle digital geführt werden, müssen elektronische Signaturen den Anforderungen von 21 CFR Part 11 oder EU GMP Annex 11 entsprechen.

Die gesamte Testdokumentation, von Testplan über Testprotokolle bis zum Abschlussbericht, bildet am Ende die Grundlage für den Validierungsabschlussbericht. Dieser Bericht muss nachweisen, dass das System validiert ist und für den regulierten Betrieb freigegeben werden kann. Wer die GxP-Compliance von Beginn an mitdenkt, vermeidet aufwändige Nacharbeiten kurz vor dem Go-live.

Wie GUS ERP bei der ERP-Integration in der Pharmaindustrie unterstützt

Wir bei GUS ERP wissen, dass eine ERP-Integration in der Pharmaindustrie weit mehr ist als ein IT-Projekt. Es ist ein regulatorisches Vorhaben, das Qualitätsmanagement, IT und Fachbereiche gleichermaßen fordert. Deshalb haben wir die GUS-OS Suite speziell für regulierte Branchen entwickelt und bringen mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Prozessindustrie mit.

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Wenn Sie wissen möchten, wie eine strukturierte ERP-Integration in Ihrem Pharmaunternehmen konkret aussehen kann, sprechen Sie uns an. Wir zeigen Ihnen in einem persönlichen Gespräch, wie die GUS-OS Suite Ihre Validierungsprozesse unterstützt und welche Schritte für Ihr Projekt sinnvoll sind.

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