Wie kann ein ERP-System die Erstellung von Konformitätserklärungen unterstützen?

Geöffneter Pharma-Chargenordner auf steriler Laborbank mit Compliance-Dokumenten, Messinstrumenten, beschrifteten Probenfläschchen und Laptop im Hintergrund.

Ein ERP-System unterstützt die Erstellung von Konformitätserklärungen, indem es alle relevanten Produkt-, Lieferanten- und Prozessdaten zentral vorhält und daraus strukturierte Dokumente erzeugt, die regulatorischen Anforderungen entsprechen. Besonders in regulierten Branchen wie Pharma, Chemie und Food ist diese Datenbasis entscheidend, weil Konformitätserklärungen nicht isoliert entstehen, sondern aus dem laufenden Produktionsprozess heraus. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Praxisfragen rund um ERP-gestützte Konformitätserklärungen.

Welche Daten aus dem ERP-System fließen in eine Konformitätserklärung ein?

In eine Konformitätserklärung fließen aus dem ERP-System primär Stammdaten zu Produkten, Verpackungen und Lieferanten sowie Prozessdaten aus Produktion, Qualitätsmanagement und Einkauf. Das ERP ist dabei die einzige Quelle, die all diese Informationen in einem konsistenten, versionierten Zustand vorhält, ohne dass Daten manuell aus mehreren Systemen zusammengeführt werden müssen.

Konkret sind folgende Datenkategorien relevant:

  • Produktstammdaten: Artikelbezeichnung, Chargen- oder Seriennummer, Zusammensetzung, Materialklassifikation
  • Verpackungsdaten: Verpackungstyp, verwendete Materialien, Recyclingfähigkeit, Gewicht und Volumen
  • Lieferantendaten: Name, Adresse, Zertifikate, Lieferantenerklärungen und Konformitätsnachweise vorgelagerter Stufen
  • Qualitätsdaten: Prüfprotokolle, Freigabestatus, Abweichungsberichte, Zertifizierungsnachweise
  • Prozessdaten: Produktionsdatum, zuständige Werke, angewandte Normen und Spezifikationen

Im Kontext der PPWR-Verordnung kommen spezifische Pflichtfelder hinzu: Erzeugeridentifikation über Typen-, Chargen- oder Seriennummer, Name und Handelsname des Erzeugers sowie Kontaktdaten. Diese Informationen müssen vor der Marktbereitstellung jedes Verpackungstyps in einer Konformitätserklärung im durch die PPWR vorgegebenen Format vorliegen. Ein integriertes ERP-System stellt sicher, dass diese Felder nicht ad hoc befüllt werden, sondern aus validierten Stammdaten stammen.

Wie automatisiert ein ERP-System die Erstellung von Konformitätserklärungen?

Ein ERP-System automatisiert die Erstellung von Konformitätserklärungen, indem es vordefinierte Dokumentenvorlagen mit produktspezifischen Stamm- und Prozessdaten befüllt, Freigabe-Workflows auslöst und fertige Dokumente revisionssicher ablegt, ohne manuelle Dateneingabe zu erfordern. Der entscheidende Mechanismus ist die direkte Verknüpfung zwischen Produktstamm, Qualitätsprozess und Dokumentenmanagement innerhalb einer einzigen Plattform.

In der Praxis läuft dieser Prozess typischerweise so ab:

  1. Ein neuer Verpackungstyp oder ein Produktänderungsantrag wird im ERP angelegt.
  2. Das System identifiziert automatisch, welche regulatorischen Anforderungen für diesen Typ gelten, zum Beispiel nach PPWR oder branchenspezifischen Normen.
  3. Relevante Stammdaten werden in die Dokumentenvorlage übernommen, fehlende Informationen werden als Aufgabe an zuständige Mitarbeitende delegiert.
  4. Lieferantendaten werden über ein Lieferantenportal oder eine API-Schnittstelle abgerufen und automatisch den relevanten Datenfeldern zugeordnet.
  5. Nach interner Prüfung und Freigabe wird die Konformitätserklärung versioniert archiviert und steht für Kundenanfragen oder Behördenprüfungen sofort zur Verfügung.

Besonders relevant ist dabei die KI-gestützte Verarbeitung von Lieferantendokumenten: Systeme, die mit Partnerplattformen wie Tanso integriert sind, können PDF-Datenblätter von Lieferanten automatisch auslesen und den richtigen Feldern zuordnen, wobei eine menschliche Bestätigung im Prozess vorgesehen bleibt. Der Datenaustausch zwischen ERP und spezialisierten Compliance-Tools erfolgt dabei über definierte CSV-Exporte oder API-Schnittstellen, was doppelte Datenhaltung vermeidet und die Datenqualität sichert.

Was sind die häufigsten Fehler bei manuell erstellten Konformitätserklärungen?

Die häufigsten Fehler bei manuell erstellten Konformitätserklärungen sind veraltete Lieferanteninformationen, inkonsistente Versionsstände zwischen Produktänderungen und Dokumenten sowie fehlende oder falsch zugeordnete Pflichtfelder. Diese Fehler entstehen nicht durch mangelnde Sorgfalt, sondern durch strukturelle Schwächen manueller Prozesse bei steigender Produktkomplexität.

Im Einzelnen zeigen sich folgende Problemfelder regelmäßig:

  • Veraltete Lieferantendaten: Zertifikate laufen ab, Adressen ändern sich, neue Unterlieferanten werden nicht erfasst. Ohne automatisierte Lieferantenanfragen bleibt die Konformitätserklärung auf einem veralteten Stand.
  • Versionskonflikte: Wenn ein Produkt oder eine Verpackung geändert wird, aber die zugehörige Konformitätserklärung nicht automatisch aktualisiert wird, entstehen Inkonsistenzen, die bei Audits problematisch werden.
  • Fehlende Pflichtfelder nach PPWR: Insbesondere die Erzeugeridentifikation und die elektronischen Kommunikationsmittel werden bei manueller Erstellung häufig übersehen oder unvollständig ausgefüllt.
  • Rollenunklarheiten: Die PPWR unterscheidet Lieferant, Erzeuger, Importeur, Vertreiber und Hersteller, und die Rollenzuordnung erfolgt auf Produktebene, nicht auf Unternehmensebene. Manuell wird diese Differenzierung oft nicht konsequent umgesetzt.
  • Fehlende Nachvollziehbarkeit: Wer hat welche Angabe wann geprüft und freigegeben? Ohne Workflow-Protokoll ist diese Frage bei Behördenanfragen nicht beantwortbar.

Angesichts von Bußgeldern von bis zu 200.000 Euro, die nach dem deutschen Verpackungsdurchführungsgesetz ab Februar 2027 greifen, sind solche Fehler kein abstraktes Risiko mehr. Für Unternehmen in der Chemieindustrie oder der Lebensmittelbranche, die viele Verpackungstypen parallel verwalten, potenziert sich dieses Risiko mit jedem manuell gepflegten Dokument.

Welche regulatorischen Anforderungen müssen Konformitätserklärungen in der Prozessindustrie erfüllen?

Konformitätserklärungen in der Prozessindustrie müssen je nach Branche und Produkt unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen erfüllen, darunter die PPWR für Verpackungen, GMP-Anforderungen in der Pharmaindustrie sowie branchenspezifische Normen wie REACH oder Lebensmittelkontaktmaterialien-Verordnungen. Gemeinsam ist allen Anforderungen, dass die Erklärungen vor der Marktbereitstellung vorliegen und jederzeit abrufbar sein müssen.

PPWR-Anforderungen ab 2026

Die EU-Verpackungsverordnung tritt am 12. August 2026 in Kraft und gilt unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Sie ersetzt die bisher fragmentierten nationalen Regelungen. Für jeden Verpackungstyp ist eine Konformitätserklärung in einem durch die PPWR vorgegebenen Format zu erstellen. Darin müssen unter anderem Angaben zur Recyclingfähigkeit, zu verwendeten Materialien und zur Erzeugeridentifikation enthalten sein. Ergänzend dazu verpflichtet das deutsche Verpackungsdurchführungsgesetz (VerpackDG) zur Registrierung in nationalen Herstellerregistern und zur Abgabe von Mengenmeldungen.

Branchenspezifische Anforderungen in Pharma, Chemie und Food

In der Pharmaindustrie kommen GMP-konforme Dokumentationspflichten hinzu: Konformitätserklärungen müssen im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems verwaltet, versioniert und auditiert werden. In der Chemieindustrie sind REACH-Konformitätserklärungen für Stoffe und Gemische relevant, die spezifische Angaben zu Gefahrenpotenzial und Verwendungsbeschränkungen erfordern. In der Lebensmittelindustrie gelten für Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, zusätzliche Anforderungen nach der EU-Verordnung 1935/2004.

Für die Prozessindustrie insgesamt gilt: Die Anforderungen sind nicht statisch. Viele Detailanforderungen der PPWR werden erst durch nachgelagerte delegierte Rechtsakte weiter präzisiert. Ein ERP-System, das regulatorische Updates strukturiert einspielt und bestehende Konformitätserklärungen auf Anpassungsbedarf prüft, reduziert den manuellen Aufwand bei jeder Änderung erheblich.

Wie unterstützt ein ERP-System die revisionssichere Archivierung von Konformitätserklärungen?

Ein ERP-System unterstützt die revisionssichere Archivierung von Konformitätserklärungen durch versionierte Dokumentenablage, lückenlose Protokollierung aller Änderungen und Freigaben sowie die direkte Verknüpfung jedes Dokuments mit dem zugehörigen Produkt, der Charge und dem Lieferanten. Damit ist jederzeit nachvollziehbar, welche Version einer Konformitätserklärung zu welchem Zeitpunkt gültig war.

Revisionssicherheit bedeutet in diesem Kontext konkret:

  • Unveränderbarkeit nach Freigabe: Freigegebene Dokumente können nicht nachträglich geändert werden, ohne dass eine neue Version mit eigenem Zeitstempel und Freigabeprozess entsteht.
  • Vollständiger Audit-Trail: Jede Änderung, jede Freigabe und jede Anfrage wird mit Nutzer, Zeitpunkt und Begründung protokolliert.
  • Verknüpfung mit Produktdaten: Die Konformitätserklärung ist nicht als isoliertes Dokument gespeichert, sondern mit dem Produktstamm, der Chargenhistorie und dem Lieferantendatensatz verknüpft. Bei einer Behördenanfrage oder einem Kundenaudit lassen sich alle relevanten Informationen in einem Schritt abrufen.
  • Zugriffssteuerung: Wer welches Dokument einsehen, bearbeiten oder freigeben darf, ist rollenbasiert geregelt und nachvollziehbar.

Für Unternehmen in der Lebensmittelindustrie, die gleichzeitig unter PPWR-Pflichten und lebensmittelrechtlichen Dokumentationsanforderungen stehen, ist diese integrierte Archivierung kein Komfortmerkmal, sondern eine operative Notwendigkeit. Kundenanfragen nach Konformitätsnachweisen nehmen bereits heute massiv zu, und wer diese nicht innerhalb kurzer Zeit beantworten kann, riskiert Geschäftsbeziehungen.

Wann lohnt sich die ERP-Integration für die Verwaltung von Konformitätserklärungen?

Die ERP-Integration für die Verwaltung von Konformitätserklärungen lohnt sich ab dem Moment, in dem manuelle Prozesse mehr Zeit und Fehlerrisiko erzeugen, als eine strukturierte Systemlösung kostet. In der Praxis ist dieser Punkt für Unternehmen mit mehr als 20 aktiven Verpackungstypen oder mehreren regulatorischen Rahmenbedingungen gleichzeitig in der Regel bereits überschritten.

Konkrete Indikatoren, dass eine ERP-Integration sinnvoll ist:

  • Konformitätserklärungen werden in Tabellenkalkulationen oder Textdokumenten gepflegt, ohne automatische Versionierung
  • Lieferantenanfragen zur Datenbeschaffung laufen manuell per E-Mail und führen zu langen Durchlaufzeiten
  • Produktänderungen führen nicht automatisch zu einer Überprüfung der zugehörigen Konformitätsdokumente
  • Bei Kundenanfragen oder Audits muss das Team Dokumente aus mehreren Systemen zusammensuchen
  • Die PPWR-Umsetzung steht bevor und das Unternehmen hat noch kein System zur zentralen Erfassung des Verpackungsportfolios

Für Unternehmen, die PPWR-Compliance bis August 2026 sicherstellen müssen, empfiehlt sich der Start der Lieferantenkommunikation zur Datenbeschaffung idealerweise vor dem Geltungsbeginn der Verordnung. Die Inventarisierung aller betroffenen Verpackungen und die Klärung der eigenen Rollen nach PPWR auf Produktebene sind dabei die ersten operativen Schritte. Eine KI-ready ERP-Infrastruktur schafft dabei nicht nur die Grundlage für die aktuelle Compliance, sondern auch für künftige regulatorische Anforderungen, die durch delegierte Rechtsakte noch präzisiert werden.

Wie GUS ERP GmbH bei PPWR-Compliance und Konformitätserklärungen unterstützt

Wir bei GUS ERP GmbH haben die GUS-OS Suite speziell für regulierte Branchen der Prozessindustrie entwickelt und unterstützen Unternehmen konkret bei der PPWR-Umsetzung und der Verwaltung von Konformitätserklärungen. Unsere Lösung adressiert die gesamte Prozesskette, von der Stammdatenpflege bis zur revisionssicheren Archivierung:

  • Zentrale Verpackungsportfolio-Verwaltung: Alle Verpackungstypen, Materialien und Erzeugerinformationen werden in einem System erfasst und sind direkt mit Produktstammdaten verknüpft.
  • Automatisierte Lieferantenanfragen: Über die Integration mit Tanso ermöglichen wir automatisierte Lieferantenanfragen über ein dediziertes Lieferantenportal, inklusive KI-gestützter Auslesung von PDF-Datenblättern mit Human-in-the-Loop-Bestätigung.
  • Workflow-basierte Freigabeprozesse: Unser einzigartiger Workflow-Designer steuert Erstellungs-, Prüf- und Freigabeprozesse für Konformitätserklärungen strukturiert und nachvollziehbar.
  • Revisionssichere Archivierung: Alle Dokumente werden versioniert, mit vollständigem Audit-Trail und rollenbasierter Zugriffssteuerung abgelegt.
  • Skalierbarkeit bei wachsenden Anforderungen: Ob PPWR, CO₂-Management oder ESG-Berichterstattung, unsere Integrationslösung ist auf künftige regulatorische Anforderungen ausgerichtet, ohne dass Daten doppelt gepflegt werden müssen.

Unternehmen, die ihre PPWR-Compliance-Software-Lösung jetzt aufsetzen möchten, bevor Bußgelder und Kundenanforderungen den Druck erhöhen, sollten nicht abwarten. Fordern Sie jetzt eine Demo an und erfahren Sie, wie wir Ihr Unternehmen bei der strukturierten Umsetzung der PPWR-Anforderungen begleiten.

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