Trotz nominalem Umsatzwachstum steht die deutsche Lebensmittelindustrie vor großen Aufgaben: Steigende Rohstoff- und Energiepreise, eine schwache Inlandsnachfrage und veränderte Konsumpräferenzen fordern Unternehmen auf, neue Produkte anzubieten und ihre Produktion agiler und nachhaltiger zu gestalten. Wir stellen fünf Top-Trends vor, die Lebensmittelhersteller kennen sollten – wobei digitale Systeme eine Schlüsselrolle spielen.
1. Alternative Proteine und pflanzenbasierte Lebensmittel
Verbraucher werden gesundheitsbewusster. Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder reduzieren ihren Fleischkonsum. Damit wächst die Nachfrage nach Proteinalternativen, was Lebensmittelherstellern neue Chancen bietet: Der Markt für alternative Proteine wurde von Marktanalysten 2025 auf etwa 17,66 Milliarden US-Dollar geschätzt, mit einem jährlichen Wachstum von 7,4 % bis 2032.
Pflanzenbasierte Produkte sind auch abseits von Proteinalternativen ein wachsender Markt, vor allem in Deutschland. Mit ausreichend regulatorischer Flankierung und Investitionen könnte der Umsatz laut Studie „A Taste of Tomorrow“ bis 2030 auf 10 Milliarden Euro, bis 2045 auf 23 Milliarden Euro steigen – und 10 % des heutigen Getränke- und Lebensmittelumsatzes ausmachen.
2. Nachhaltige und smarte Verpackungen
Unternehmen investieren zunehmend in biobasierte und recyclingfähige Verpackungen, zum Beispiel Papierflaschen oder aluminiumfreie Folien, um CO₂Emissionen zu senken und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Daneben rücken auch die funktionalen Aspekte der Verpackungen in den Fokus: Verpackungslösungen wie Sauerstoffabsorber, EthylenScavenger oder antioxidative Beschichtungen verlängern die Frische und reduzieren Abfälle. Marktforscher rechnen damit, dass der Umsatz mit Smart Packaging in Deutschland von 637 Millionen US-Dollar in 2024 auf 779 Millionen US-Dollar in 2030 steigen wird, bei 4,2 % jährlichem Wachstum.
Vielversprechende Innovationen entstehen im Bereich smarte Verpackungen, die die Technologien wie Sensoren und Indikatoren zusammen mit QR-Codes und NFC nutzen, um die Qualität von Lebensmitteln zu überwachen und ihre Rückverfolgbarkeit zu vereinfachen. Bis zu 14 Tage längere Haltbarkeiten sind erreichbar. Noch sind die smarten Verpackungen zwar ein Nischenphänomen, angesichts ihres Beitrags zur Reduzierung von Food Waste und Compliance-Dokumentation, dürfte sich dies in den nächsten Jahren jedoch ändern.
3. Digitalisierung und KIbasierte Steuerung
Unternehmen treiben die Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse voran. Schlüsseltechnologien sind KI, Computer Vision, Blockchain und IoT-Sensoren.
Cyberphysische Maschinen entwickeln sich zum Standard in der Lebensmittelindustrie. IoT-Sensoren erfassen Leistungsdaten von Anlagen in Echtzeit und teilen diese mit anderen Geschäftsanwendungen wie ERP-Systemen. Je nach digitaler Unternehmensreife steuern sich Fertigungsanlagen, Kontroll- und Logistiksysteme weitgehend autonom. Blockchain-basierte Rückverfolgung gewinnt in der Lebensmittellogistik an Bedeutung, ist aber noch nicht flächendeckend im Einsatz.
Ein Zukunftsthema ist die Qualitätssicherung mithilfe von KI-basierter Videoanalysen (Computer Vision). Laut Trendmonitor der Deutschen Lebensmittel Gesellschaft (DLG) nutzten 2025 nur 5,6 % der Unternehmen Echtzeit-Qualitätskontrollen oder -monitoring. Allerdings laufen in 25,3 % der Unternehmen hierzu Projekte oder sind in Planung. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einsatz KI-basierter, vorausschauender Wartung (Predictive Maintenance). Aktuell wird sie laut DLG nur bei 18,6 % der Unternehmen eingesetzt.
4. Regionale Kooperation zur Rohstoffsicherung
Ein klarer Trend der letzten Jahre: Lebensmittelhersteller intensivieren Partnerschaften mit regionalen Landwirten oder Liefergenossenschaften. Angesichts von Unsicherheiten in den internationalen Lieferketten und Nachhaltigkeitszielen, dürfte sich diese Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen. Regionale Beschaffungsmodelle senken Transportemissionen und stärken das Vertrauen der Verbraucher in die Marken.
Entscheider nutzen digitale Plattformen (Track & Trace), um die Lieferketten effektiver zu steuern. Die Anwendungen kombinieren Echtzeit-Informationen mit ERPDaten und schaffen damit Transparenz, was die Handlungsfähigkeit von Unternehmen und ihre Resilienz gegenüber Lieferverzögerungen und Rohstoffengpässen erhöht.
5. Recruiting und Fachkräftebindung
Der Fachkräftemangel gehört zu den Top-Themen, die die Lebensmittelindustrie bewegen. Unternehmen versuchen, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken und gleichzeitig die Arbeitsbelastung ihrer Belegschaft zu senken.
Automatisierte Workflows sollen die Mitarbeitenden entlasten, Assistenzsysteme körperliche Tätigkeiten erleichtern und hybride Arbeitsplatzmodelle die Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern. Um neue Technologien effektiv in der Herstellung einsetzen zu können, entwickeln Unternehmen Upskilling-Programme oder unterstützen die externe Weiterbildung ihrer Angestellten.
Im Recruiting setzen Unternehmen immer häufiger auf künstliche Intelligenz, um passende Talente schneller zu finden und die Kosten des Einstellungsprozesses zu reduzieren: KI-Systeme unterstützen beim Sourcing, bei der Evaluation von Bewerbungen, bei der Terminvereinbarung und bei weiteren administrativen Prozessen. Zusätzlich sollen Kooperationen mit Hochschulen und Betrieben dem Nachwuchsmangel entgegenwirken.
ERP-Systeme als Basis für zukunftsfähige Transformation
Ein Großteil der aktuellen Entwicklungen in der Lebensmittelindustrie basiert auf Digitalisierung: KI‑Steuerung, Smart Packaging und IoT. Doch viele Lebensmittelhersteller arbeiten mit veralteten ERP-Systemen, die keine Echtzeit-Schnittstellen bieten und sich kaum mit Verpackungssensorik, Predictive Maintenance oder Compliance-Workflows verknüpfen lassen. Legacy-Anwendungen werden so zum Hemmschuh für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Ein ERP-System sollte die digitale Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv unterstützen – von der Rezepturentwicklung über Produktionsplanung bis zur Rückverfolgbarkeit und regulatorischen Dokumentation. Eine modulare, erweiterbare Architektur sollte genauso Standard sein wie die Integrationsfähigkeit mit Drittanwendungen. So lässt sich das System einfach an veränderte Anforderungen anpassen.
Mit der GUS-OS Suite haben wir ein solches ERP-System speziell die Anforderungen der Prozessindustrie entwickelt. Es unterstützt Effizienz, Transparenz und regulatorische Sicherheit und wird von uns kontinuierlich weiterentwickelt.
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