ERP-Systeme & smarte PCF-Software helfen der Prozessindustrie dabei, CO₂-Emissionen zu messen, zu reduzieren & EU-Regularien rechtssicher zu erfüllen.
Die Prozessindustrie — insbesondere die Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie — steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits gehören diese Branchen zu denjenigen, die durch steigende Temperaturen, Rohstoffknappheit und instabile Lieferketten besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Andererseits tragen sie selbst erheblich zu den globalen Treibhausgasemissionen bei — allein die Produktion von Lebensmitteln verursacht fast ein Drittel der weltweiten Emissionen. Gleichzeitig wächst der Druck der Verbraucher, die Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette einfordern. Eine aktuelle Ausgabe der PwC Voice of the Consumer Survey 2024/2025 zeigt, dass Nachhaltigkeit weiterhin ein zentraler Faktor bei Kaufentscheidungen ist: Rund 85 % der befragten Konsument:innen geben an, die Auswirkungen des Klimawandels selbst zu erleben, und fast die Hälfte (ca. 46 %) kauft nach eigener Aussage bewusster nachhaltige Produkte ein. Zudem sind Verbraucher im Durchschnitt bereit, einen Preisaufschlag von knapp 10 % für Produkte mit nachweislich nachhaltigen Eigenschaften zu zahlen.
Dieser anhaltende Trend erhöht den strategischen Druck auf Unternehmen erheblich: Nachhaltigkeit entwickelt sich vom reinen Compliance- und Risikothema hin zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor und Innovationsmotor entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
In diesem Kontext bekommen ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) und Konzepte wie der Product Carbon Footprint (PCF) eine zentrale Bedeutung — sie verbinden Digitalisierung, Nachhaltigkeitsmanagement und operative Transformation.
Was ist der Product Carbon Footprint (PCF)?
Der Product Carbon Footprint (PCF) misst die gesamten durch ein Produkt verursachten Treibhausgasemissionen entlang seines Lebenszyklus — vom Rohstoffeinkauf über die Produktion und Distribution bis hin zur Nutzung oder Entsorgung. Der Fokus kann dabei entweder auf dem Cradle-to-Gate-Ansatz (Emissionen bis zum Werkstor) liegen oder den gesamten Lebenszyklus im Sinne eines Cradle-to-Grave-Ansatzes umfassen. Eine verlässliche PCF-Berechnung basiert auf anerkannten Standards wie der International Organization for Standardization Norm ISO 14067 sowie dem Greenhouse Gas Protocol Product Standard.
PCFs sind dabei längst kein theoretisches Konzept mehr, sondern werden bereits erfolgreich in der industriellen Praxis eingesetzt. So stellt der Tanso-Kunde Norder Band PCF-Daten automatisiert und ISO-konform für seine Kunden bereit und schafft damit ein neues Maß an Transparenz entlang der Lieferkette. Über eine API-Schnittstelle zwischen dem ERP-System und der Tanso-Plattform werden PCF-Berechnungen vollständig automatisiert durchgeführt – skalierbar, effizient und bei durchgehend hoher Datenqualität.
Auf diese Weise können täglich bis zu 5.000 PCFs berechnet und direkt an Kunden übermittelt werden, die diese nahtlos in ihre eigene CO₂-Bilanz (Corporate Carbon Footprint, CCF) integrieren. Gleichzeitig erzielt Norder Band eine jährliche Zeitersparnis von rund 360 Stunden und stärkt seine Position als innovations- und nachhaltigkeitsorientierter Partner in der Industrie.
Warum ist PCF-Management für die Prozessindustrie relevant?
Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Die größte Herausforderung bei der Bewertung von PCFs ist die Erfassung und Harmonisierung großer Datenmengen über unterschiedliche Prozesse, Standorte und Partner hinweg. Verlässliche Daten zu Scope 1, 2 und insbesondere Scope 3 Emissionen (Emissionen in vor und nachgelagerten Prozessen) sind entscheidend. Digitalisierte Prozesse schaffen hier die notwendige Transparenz.
Rechtliche Anforderungen und Marktanforderungen
Aktuelle und kommende Regelungen wie die EU Green Claims Directive, der digitale Produktpass oder Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD machen die PCF-Erhebung zur Pflicht. Unternehmen müssen nicht nur berichten, sondern auch glaubwürdig und nachvollziehbar belegen, wie ihre Produkte und Prozesse klimawirksam sind.
Lieferantenmanagement und Glaubwürdigkeit
Transparenz über PCFs stärkt nicht nur das Vertrauen der Verbraucher, sondern ermöglicht auch gezielte Lieferantenbewertung und -auswahl nach CO₂-Leistung. So lässt sich der CO₂-Fußabdruck von Vorprodukten besser vergleichen und optimieren — ein signifikanter Vorteil für Food, Chemie und Pharma.
Wie ERP-Systeme den CO₂-Fußabdruck verbessern können
Ein modernes ERP-System ist weit mehr als ein digitales Buchhaltungs- oder Produktionsplanungswerkzeug — es ist eine zentrale Daten- und Prozessplattform, die Nachhaltigkeit operativ verankert. Somit bildet ein ERP-System per se eine zentrale Datenbasis, die von der Tanso-Software nahtlos integriert und weiterverarbeitet werden kann.
Intelligent planen & nachhaltig produzieren
Effiziente Produktionsplanung minimiert Überproduktion und Ausschuss — ein entscheidender Hebel in Branchen mit komplexen Produkten und oft kurzen Lebenszyklen. ERP-gesteuerte Forecasting-Tools tragen dazu bei, Produktionsmengen genau an Marktbedarf und Ressourcenverfügbarkeit anzupassen. Eine gezielte CO₂-Bilanzierung erlaubt es, diese Optimierungen nochmal konkret auf den PCF zu beziehen, um hier die Auswirkungen zu unterstreichen.
Frühzeitige Fehler und Störungserkennung
Mit Predictive-Maintenance-Funktionen lassen sich Maschinen und Anlagenemissionen überwachen und Wartungstermine früher planen — was sowohl Energieverbrauch als auch CO₂ verringert.
Transparente Lieferketten
ERP-Systeme machen den Material- und Warenfluss durch eindeutige, digitale Rückverfolgung sichtbar. So lassen sich Vorprodukte bis zur Quelle nachhaltig bewerten und gezielt Lieferanten mit besonders niedrigen PCFs auswählen. Optimierungspotenziale lassen sich so sicher identifizieren, prüfen und in klare Kosten- und Wettbewerbsvorteile verwandeln.
Effiziente Logistik und Disposition
Automatisierte Bestell- und Lagerprozesse helfen, klimaschädliche Einzellieferungen zu vermeiden — durch bessere Bündelung und optimierte Tourenplanung.
Cloud und effiziente IT-Nutzung
Durch Cloudbasierte ERP-Lösungen verlagern Unternehmen Teile ihrer IT-Infrastruktur in energieeffizient betriebene Rechenzentren. Dies reduziert nicht nur den eigenen Energiebedarf, sondern erleichtert auch die Zusammenarbeit über Standorte und Partner hinweg.
Weniger Papier, mehr Effizienz
Digitalisierte Dokumenten- und Genehmigungsprozesse sparen nicht nur Ressourcen, sondern schaffen gleichzeitig valide Daten für Nachhaltigkeitsberichte und Audits.
Nachhaltigkeits-Reporting & PCF Integration
ERP-Systeme können mit spezialisierten CO₂-Management Tools wie der Tanso-Software verbunden werden. So entstehen konsistente, audit-fähige PCFs-zur Erfüllung von Berichtspflichten und zur Steuerung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Studien und Praxiserkenntnisse bestätigen den Nutzen
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass digitale und ERP–gestützte Nachhaltigkeitsansätze erhebliche Einsparpotenziale bieten: Realtime Monitoring, Datenanalyse und Automatisierungsansätze können laut Studien 10 – 25 % Emissionsreduktion sowie signifikante Energieeinsparungen in Produktionsprozessen erzielen. Darüber hinaus verbessert die Integration von ERP–Daten mit digitalen Zwillingen und LCA–Ansätzen die Nachhaltigkeitstransparenz und CO₂–Optimierung entlang der Supply Chain dramatisch.
Fazit: Klimaschutz zahlt sich aus – auch operativ
ERP–Systeme und PCF–Berechnungen allein lösen nicht alle Herausforderungen des Klimawandels — aber sie bieten einen konkreten, messbaren Hebel, um Emissionen entlang von Prozessen und Produkten zu reduzieren. Für Unternehmen in der Lebensmittel–, Chemie– und Pharmaindustrie gilt: Wer Nachhaltigkeit strategisch in seine digitale Transformation integriert, schafft nicht nur Compliance und Transparenz, sondern auch Wettbewerbsvorteile, Effizienzgewinne und Innovationspotenziale.